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Das Lächeln der Liebe

 

 

1. Stufe

Akzeptiere, dass das Leben der Lehrer ist, der immer nur dein Bestes will.

Dies ist die Geschichte von Mali, einer Beziehungswaisen. Sie lebte in einem Ort namens Paayenge, und dieser Name bedeutet so viel wie „Vergessen“. Jeder im Dorf wusste, dass sie ihre Zeit damit verbrachte, unglückliche Beziehungen zu führen. Mali war eine Schönheit, doch hatte sie mit den Jahren das Gefühl beschlichen, dass ihr das eher im Weg stehe, den „Richtigen“ zu finden.

„Der Richtige“, die heilige Umschreibung, das Zauberwort. Ja, davon hatte ihr ihre Mutter schon immer erzählt. Die Vision von einem wunderbaren Mann, der einst kommen, ihr jeden Wunsch von den Lippen ablesen, sie auf Händen tragen und ihr die Sterne vom Himmel holen werde. Das war der Traum, der schon in Malis Kindheit wie ein Geist über ihrem Leben schwebte. Denn ihre Mutter hatte Zeit ihres Lebens ebenfalls kein allzu großes in der Liebe gehabt. Malis Vater war ein Tunichtgut und Trunkenbold. Er verstand sich mehr darauf, am Abend in den Dorfkneipen seinen Oud, die arabische Laute, zu spielen und den Röcken junger Tänzerinnen hinterherzuschauen, als sich um seine Arbeit und die Belange der Familie zu kümmern.

So gingen die Jahre ins Land. Und Mali träumte von einem Mann, der anders war als ihr Vater.

Malis ersten Mann suchte ihre Mutter aus: einen wunderschönen Burschen aus dem Nachbardorf, dessen Eltern bekannt waren, weil sie großen Reichtum besaßen. Sie hatten eine Wollweberei und große Ländereien im Süden Indiens. Das war in Malis Gegend schon eine Besonderheit. Die beiden wurden verheiratet und es kam, wie es kommen musste: Malis Mann kümmerte sich nach einer Weile mehr um die Häuser, als daheim bei ihr, seiner Frau, zu sein. Später begann er sie zu betrügen; und je mehr Mali um ihn kämpfte, desto mehr schien er sich ihr zu entziehen. Es war ein Jammer, und in vielen Nächten weinte und betete sie dafür, dass all das ein Ende nehmen möge. Aber selbst Gott schien auf der Seite ihres Mannes zu stehen und so wurde ihr Herz bitter. Es kam zur Trennung und von da an schien es Mali, als ob sie in einem bösen Traum gefangen sei, in dem sie immer wieder den gleichen Mann mit verschiedenen Gesichtern kennenlernte. Sie verbitterte immer mehr und fand blad kein gutes Wort mehr für die Männer in ihrem Leben. In jedem, der ihr ein freundliches Lächeln schenkte, sah sie einen potentiellen Feind. „Tunichtgute“ sind sie allesamt, dachte sie sich oft, „genau wie mein Vater“.

So kam es, dass sie schließlich im Alter von 28 Jahren allein in einem Holzhaus unten am Fluss lebte. Ein Tag schien dem nächsten das Gesicht zu stehlen und hätte sie dem Mond nicht beim Ab- und Zunehmen zugesehen, so hätte sie behauptet, die Zeit stehe seit Jahren still.
Eines Tages saß Mali am Straßenrand und stützte verdrossen ihr Kinn in ihre Hände. Sie starrte gedankenverloren in den staubigen Sand, der irgendwann durch einen Wanderer aufgewirbelt wurde, der langsamen Schrittes des Weges kam. Die Hitze der Mittagssonne malte vor den Horizont das flirrende Bild einen jungen Mannes, der mit einem orangegelben Salwar Kamiz bekleidet war und somit fast eins mit dem gleißenden Sonnenlicht wurde. Dies verlieh seiner ganzen Erscheinung ein goldenes, fast heiliges Aussehen. Mali erkannte den Mann. Es war Malik, der Sohn des Sufimeisters.

Malik war im Dorf bekannt, weil er schon in jungen Jahren dadurch Ansehen erlangt hatte, dass er Menschen und Tiere heilen konnte. Und es eilte ihm der Ruf voraus, er sei trotz seiner Jugend ein weiser Mann. Mali und Malik waren sich im Dorf schon oft begegnet; und er war ihr aufgefallen, weil er anders zu sein schien als alle anderen Männer, die sie kannte. Er war immer freundlich und höflich zu allen, und er musterte sie nicht mit diesen Raubkatzenaugen wie die anderen Männer. Ganz so, als ob er in ihr etwas anderes sehe als nur „die schöne Mali, die immer Pech in der Liebe hatte“.
Mali blinzelte ihm entgegen und freute sich über die Gelegenheit Malik einmal anzusprechen. Als er auf ihrer Höhe ankam, lächelte er ihr freundlich entgegen.
Mali sprach: „Ich grüße dich Malik! Wie geht es dir?“
Malik grüßte sie mit dem Gruß der Sufi zurück:“Ya Azim, es ist schön, dich zu sehen. Der Tag hat wundervoll begonnen und es scheint, als gebe er sich noch mehr Mühe, auch so zu enden“. Mali war verblüfft über seine Offenheit, denn er hatte noch nie zuvor ein Wort mit ihr gewechselt und galt allgemein als eher schweigsam. Schon fühlte sie wieder das alte Misstrauen in sich aufkommen und sagte etwas skeptisch:“ Nun, ich befinde mich leider gerade in keiner so guten Verfassung. Warum scheint es mir dennoch so, als ob du froh seiest, mich zu sehen?“
„Ja, es freut mich wirklich, dich zu sehen. Noch mehr würde es mich jedoch erfreuen, dich nicht zu sehen“, orakelte er geheimnisvoll, warf einen Kiesel in die Luft und lachte verschmitzt in die Sonne.
Etwas aufgeregt sagte sie:“ Alle im Dorf reden von deinerWeisheit“, und Mali dachte sich: Na gut, weiser Mann, wenn du schon einmal da bist, werde ich dich etwas fragen, was mich schon immer interessiert hat.
Auch wenn es ihr in diesem Moment fast etwas ungehörig schien, ihn mit ihren Fragen zu bestürmen, dachte sie, dass, wenn alle im Dorf von seiner Weisheit redeten, er ihr einmal zeigen solle, ob er ihr diese Fragen beantworten könne.
Und laut sagte sie:“ Es scheint mir, als habest du gelernt, Beziehungen erfolgreich und glücklich zu gestalten. Hat dich das dein Vater, der Sufimeister, gelehrt? Oder wie erlangt man solche Weisheit?“
Malik lächelte milde und sprach:“ Nun, das war leicht. Mein Vater brachte mich zu den beiden besten Lehrern, die man überhaupt haben kann. Und diese unterwiesen mich in der Kunst des Herzens.“
„Die Kunst des Herzens“, echote es in Mali nach. Sie musste fast ein wenig lachen, einen so jungen Mann über die Kunst des Herzens reden zu hören, doch sie verkniff sich die Bemerkung und hörte weiter zu.
„Ich hatte Jesus zu meiner Rechten und Buddha zu meiner Linken und mir war das Glück vergönnt, meine Ohren spitzen und ihnen aufmerksam zuhören zu können, wenn sie zu mir sprachen.“
Mali zog misstrauisch die Augenbrauen hoch:“So, so. Ja, das sich wahrlich große Meister, von denen du unterwiesen wurdest. Wie haben sie dich unterrichtet?“
Malik antwortete:“ Nun, sie zeigten mir den Pfad der sieben Stufen zu einer erleuchteten Beziehung“.
Mali schaute ihn mit großen Augen an:“ Den Pfad der sieben Stufen zu einer erleuchteten Beziehung? Wenn es diesen Pfad gibt, so möchte ich ihn gehen. Kannst du mir den Weg dorthin zeigen? Wie erlangt man eine erleuchtete Beziehung?“
Malik setzte sich neben sie und flüsterte:“ Weißt du, ich denke, das werde ich tun. Weil ich möchte, dass du glücklich bist. Und genau das ist auch der erste Schritt den man tun kann, wenn man sich nach einer erleuchteten Beziehung sehnt: sich zu wünschen, dass der andere glücklich ist.“ Mali sah Malik verdutzt an. „Sieh, die meisten Menschen tragen viel Unglück aus zerbrochenen Beziehungen in ihren Herzen“, fuhr er fort, „und so glauben sie irgendwann, sie hätten es , nun jemanden zu treffen, der ihnen all ihre Wünsche erfüllt. Denn sie glauben, sie hätten schon so viel der Liebe wegen geopfert, und deshalb sind sie einfach nicht mehr länger zu geben bereit. Und doch wollen sie jemanden treffen, der ihnen gibt. Das sei die Liebe ihnen schuldig.
Zunächst aber müssen sie, müssen wir, lernen und akzeptieren, dass das Leben und die Liebe unsere Lehrer sind. Sie geben uns immer wieder Hinweise. Übersehen wir diese, werden die Hinweise immer deutlicher und lauter, so wie der Klang einer Glocke, die wir erst nur aus der Ferne vernehmen, und dann, je näher wir kommen, desto lauter hören. Das Leben schenkt uns jeden Tag Tausende Hinweise, immer wieder. Aber die meisten von uns sehen besser, als sie hören. Und so rennen sie sehenden Auges und mit tauben Ohren in ihre Lebensaufgaben.
Die Erfahrungen, die wir machen, sind umso schmerzhafter, je öfter wir die kleinen Hinweise, die uns das Leben zuspielte, übersehen. Es ist so, als stünde man seinem Selbst gegenüber und bestritte mit ihm einen Wettkampf. Allerdings nimmt die Stärke des Gegenübers jedes Mal in dem Maße zu, wie man Kraft aufbringt, um gegen ihn aufzubegehren.
Das ist das Gegenteil von Yin und Yang. Das ist Yin gegen Yang und dann gewinnt immer das stärkere Yang. Wir müssen lernen mit dem Herzen zu hören und zu erkennen, wie es klingt, wenn das falsche Ego spricht, damit wir lernen zu erkennen, wie es klingt, wenn das Herz spricht. Das Leben und die Liebe sind unsere Lehrer, nicht unsere Gegner.
Zunächst solltest du akzeptieren, dass es immer richtig ist, wenn eine Beziehung zerbricht – für beide Beteiligten.

Buddha sagte:
Beobachte und erkenne, wie sehr du dich dieser Regel widersetzen willst. Dann wirst du bemerken, wie stark dein Ego in dir ist. Denn dann kannst du deine Gegner besser einschätzen.

Malik lachte bei dem Wort Gegner und fügte an:“ Wenn es überhaupt einen Gegner gibt, dann sind wir es selbst. Wenn du das für die als eine Wahrheit annehmen kannst, ohne daran zu zweifeln, hast du die Tür zur ersten Erkenntnis geöffnet. Erst wenn du akzeptieren kannst, dass die Trennung für dich und deinen Partner richtig war, bist du bereit, den nächsten Schritt zu gehen.“

Jesus sagte:
Wenn die Früchte des Lebens in dir bitter schmecken, warte, bis du reif für sie bist. Kehre zu einem späteren Zeitpunkt zu ihnen zurück. Irgenwann werden sie süß wie Datteln und kostbar wie die Seelen dieser Welt sein.

Malik blickte Mali aufmerksam an. Mali dachte über das soeben Gehörte still nach. Etwas in ihr wollte dagegen aufbegehren, dass alles immer für beide in der Weise gut sei, wie es ist, aber etwas in ihr ließ sie innehalten; und sie fühlte, wie sich eine Tür in ihr einen Spalt weit öffnet. Es war etwas, was sie nicht steuern könnte. „Es“ öffnete sie, wie eine Wahrheit, die nicht darauf aus war, als Wahrheit verstanden zu werden, sondern einfach wahr war. Sie blickte Malik still an und hörte ihm zu als er weiter sprach:“ Wenn wir uns in einer stillen Minute hinsetzen und darüber nachdenken, was in unserer Liebe alles geschehen ist und wie es dazu kam, dann sollten wir uns auch immer fragen: Was haben meine Augen gesehen? Was wollten meine Ohren nicht hören? Warum habe ich die Hinweise übersehen? Und was will das alles mir sagen.

Die Augen der Wahrheit
sehen alles so, wie es sein sollte.
Die Augen der Liebe sehen alles so,
wie es wirklich ist.
Drum blicke stets mit den Augen
der Liebe auf alle Dinge.
Denn dann wird selbst
die Unvollkommenheit der Wahrheit
zu einer Rose aus Licht.

Verfasser ist mir nicht bekannt!